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Neuigkeiten

Leseprobe zu den neuen Augustinuspredigten

Sermo sancti Augustini de Phitonissa et resuscitatione Samuelis

1,1. Intentissimam fuisse caritatem vestram divinis lectionibus cum recitarentur advertimus. Ea vero vestra intentio et nunc vestra expectatio, nisi dominus iuvet, multum nos terret. Profundissimam quippe quaestionem proposuit nobis lectio prima Regnorum, quam sic attente audistis ut nihil aliud quam de illa me audire cupiatis. Sed ego fateor caritati vestrae, profundior est quam ut a me possit forsitan explicari; certe tamen hodie non potest. Dico causam proponens eam et interim profunditatem eius ostendens, ut et quam sit eius solutio difficilis videatis et, ut vobis possim aliquid inde dicere, et pro me et pro vobis oretis. Sed antequam profunditatem eius exponam – non ipsam dixi, sed profunditatem eius exponam, id est non eruam, quod in alto habet, sed quam sit alta demonstrem – antequam ergo id agam, purgare me volo. Forte enim plerique vestrum dicunt: ‘Si non eam fuerat hodie expositurus, quare illam voluit recitari?’ Testis est ipse qui legit, quod ego non voluerim, non ego lectionem dederim, non ego mandaverim; credo et vos credere mihi. Non essem enim tam impudens, ut non vererer de mendacii conscientia coram adolescente erubescere. Sicut autem comperi, nec a domino fratre meo episcopo caritatis vestrae hoc ut legeretur praeceptum est. Non enim me vellet tam subito proposita tanta quaestione turbari. Sed hoc solent facere studiosi iuvenes filii nostri lectores, ut quando futurus est debitus sermo, aliquid excogitent recitandum, unde adolescentes nostram exerceant senectutem. Et quoniam bene eis saepe provenit, ut quod nobis vel non esset vel non multum difficile esset continuo tractaremus, putaverunt etiam in hac quaestione hoc esse faciendum. Audiant ergo et ipsi et vos, ne amplius de me expectando quam possum et vos fallamini et nos perturbetis.

1,2. Audite iam profunditatem quaestionis. Illud mirum non est, quod Saul desertus a deo, ut sciret quid sibi esset venturum vel quo uteretur salutis suae temporalis consilio vel auxilio, ad magicas artes confugit. Utinam hoc non faciant Christiani! Hoc ergo, ut dixi, mirum non est. Quid ergo mirum est, quid profundum? potuisse pythonissam magam operante spiritu immundo excitare animam sancti et iusti viri. Breviter quaestionis profunditatem proposui. Quicquid est, quod movet, hoc in ea movet omnem animum pium et religiosum, quando hoc vel audit vel legit; hoc movet, hoc perturbat. constat, quod lectio apostolica, quae lecta est, demonstravit immundum pythonis esse spiritum. Quem cum haberet ancilla quaedam et divinando dominis suis lucra conferret, sequebatur apostolum et eos, qui cum illo erant, et dicebat: Hi servi dei sunt magni, qui annuntiant vobis viam salutis. Et quid consequenter scriptura dicit? Cum hoc saepius faceret, misertus est eius Paulus. Unde misertus est, nisi quia misera erat et tanto infelicior, quanto divinior putabatur possessa daemonio et habens utique non spiritum sanctum, sed inmundum? Quia ergo talis erat ancilla, quid est, ut iste spiritus animam tanti viri, tam iusti fidelis dei servi, tanti postremo prophetae posset quasi a mortuis resuscitare? Etiam hinc intellegitur, quia malus fuisset ille spiritus, quia non eum Saul quaesivit nisi desertus a deo. Iste autem Saul, antequam desereretur a deo, cum melioris mentis esset, in regno suo secundum dei praecepta omnes ventriloquos seu ventriloquas interfici iussit; ad eos est versus a deo desertus et eis, quos voluerat finire, subiectus.

Predigt des Hl. Augustinus über die Wahrsagerin und die Auferweckung Samuels

1. Dass ihr, liebe Brüder, höchst aufmerksam wart, als die heiligen Lesungen vorgetragen wurden, habe ich bemerkt. Doch eben diese eure Aufmerksamkeit und jetzt auch eure Erwartung macht mir große Angst, wenn der Herr mir nicht beisteht. Denn die erste Lesung aus dem Buch der Könige hat uns vor ein überaus tiefes Problem gestellt; ihr habt sie so konzentriert gehört, dass ihr nichts anderes hören wollt, als dass ich über sie spreche. Freilich muss ich euch, liebe Brüder, eingestehen: es ist wohl zu tief, als dass ich es erklären könnte; zumindest heute geht das nicht. Ich sage euch den Grund, indem ich es vorstelle und fürs Erste nur auf seine Tiefe hinweise, damit ihr seht, wie schwierig eine Lösung ist, und sowohl für mich als auch für euch betet, dass ich euch etwas darüber sagen kann. Doch bevor ich seine Tiefe erkläre – ich meine, nicht bevor ich das Problem selbst, sondern bevor ich seine Tiefe erkläre; das heißt ich werde nicht hervorholen, was es in der Tiefe verbirgt, sondern zeigen, wie tief es ist – bevor ich das also mache, will ich mich rechtfertigen. Denn vielleicht sagen viele von euch: ‚Wenn er es heute nicht erklären wollte, warum hat er diese Lesung dann vortragen lassen?‘ Der Lektor ist mein Zeuge, dass ich sie nicht lesen ließ, dass ich die Lesung nicht vorgegeben und keinen Auftrag dazu gegeben habe; ich glaube, ihr glaubt mir das auch. Denn ich wäre nicht so unverschämt, dass ich nicht fürchten würde, aus dem Bewusstsein heraus, gelogen zu haben, vor dem jungen Mann zu erröten. Wie ich erfahren habe, wurde diese Lesung aber auch nicht vom Herrn, meinem Bruder und eurem Bischof, veranlasst. Er hätte nicht gewollt, dass ich durch ein solch großes Problem, das man mir unvermutet vorlegt, in Bedrängnis komme. So etwas machen aber die wissbegierigen jungen Männer, meine Söhne, die Lektoren: Wenn eine geschuldete Predigt ansteht, überlegen sie, etwas zu lesen, womit sie, die Jungen, meinem hohen Alter zu schaffen machen. Und da es für sie oft gut ausgeht, dass wir aus dem Stegreif eine Auslegung vortragen zu einer Stelle, die für uns nicht oder nicht besonders schwierig ist, meinten sie, sie könnten das auch bei diesem Problem tun. Zuhören sollen also sie und auch ihr, damit ihr nicht mehr von mir erwartet, als ich vermag, und euch darin täuscht und uns damit in Bedrängnis bringt.

2. Hört nun die Tiefe des Problems. Nicht zu denken gibt, dass Saul, von Gott verlassen, zu magischen Praktiken Zuflucht nahm um zu wissen, was ihm bevorstand und zu welchem Plan, zu welcher Hilfe er zur Erlangung seines diesseitigen Heils greifen solle. Möchten doch Christen das nicht tun! Das also gibt, wie gesagt, nicht zu denken. Was gibt dann zu denken, worin liegt die Tiefe? Dass die Wahrsagerin und Zauberin imstande war, mit dem Wirken eines unreinen Geistes die Seele des heiligen, gerechten Mannes aufzuerwecken. Damit habe ich in Kürze die Tiefe des Problems vorgestellt. Was auch immer es genau ist, das einem zu denken gibt: dieser Aspekt gibt jedenfalls jedem frommen, religiösen Sinn zu denken, wenn er es hört oder liest. Das gibt zu denken, das macht zu schaffen. Klar ist, dass die Lesung aus dem Apostel, die gelesen wurde, gezeigt hat, dass der Wahrsagegeist unrein ist. Da eine Magd ihn hatte und durch Wahrsagen ihren Herren Gewinn einbrachte, folgte sie dem Apostel und denen, die mit ihm waren, und sagte: „Diese Menschen sind Knechte des höchsten Gottes, die euch den Weg des Heils verkündigen“. Und was sagt die Schrift dann? „Als sie das öfters machte, hatte Paulus Erbarmen mit ihr.“ Warum hatte er Erbarmen wenn nicht deswegen, weil sie erbärmlich war und umso unseliger, je göttlicher sie galt, da sie von einem Dämon besessen war und nicht im Besitz des heiligen, sondern eines unreinen Geistes? Da also die Magd so war: Was ist der Grund, dass dieser Geist die Seele eines derart bedeutenden Mannes, eines so gerechten gläubigen Dieners Gottes, schließlich eines so großen Propheten sozusagen von den Toten auferwecken konnte? Auch daraus, dass Saul diesen Geist erst aufsuchte, als er von Gott verlassen war, erkennt man, dass es ein übler Geist war. Bevor Saul aber von Gott verlassen wurde, als er noch besseren Sinnes war, ließ er in seinem Reich gemäß Gottes Geboten alle Totenbeschwörer und Totenbeschwörerinnen töten; ihnen wandte er sich erst zu, als er von Gott verlassen war und sich denen unterworfen hatte, denen er ein Ende bereiten wollte.