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Zwei neue Augustinuspredigten
Das CSEL kann nach der Entdeckung des ältesten lateinischen Evangelienkommentars (2012) wieder einen spektakulären Neufund vermelden: In einer unscheinbaren mittelalterlichen Handschrift des 12. Jahrhunderts, die heute in der Diözesanbibliothek von Pelplin (Polen) aufbewahrt wird, sind Dr. Clemens Weidmann, Mitarbeiter am Editionsunternehmen Corpus Scriptorum Ecclesiasticorum Latinorum (CSEL) des Fachbereichs Altertumswissenschaften, und Prof. Dr. Christian Tornau (Univ. Würzburg) auf zwei bisher gänzlich unbekannte lateinische Predigten der Spätantike gestoßen, die ein wenig bekanntes Thema haben.
Der Prediger muss aus dem Stegreif eine kontrovers diskutierte Bibelstelle erklären, und zwar die Totenbeschwörung Samuels durch Saul (1 Samuel 28). Er analysiert die exegetischen Probleme und diskutiert die Fragen, ob magische Kräfte Macht über die Seelen der Verstorbenen haben und sie den Lebenden vor Augen führen können, oder ob nur ein Trugbild Samuels erschienen ist, was wiederum mit dem Wahrheitsanspruch der Bibel kollidiert.
In minutiöser Untersuchung von Sprache, Stil und Gedankengang können die beiden Forscher nachweisen, dass die Predigten von niemand anderem als von Augustinus (354–430 n. Chr.), dem größten Denker der lateinischen Spätantike, stammen, der v.a. mit seinem Werk über den Gottesstaat (De civitate dei) das Weltbild des Mittelalters geprägt hat. Im Rahmen eines interdisziplinären Workshops des CSEL wurde der Text gemeinsam mit einer Gruppe internationaler Studierender eingehend diskutiert. Die Erstedition, die auch eine deutsche Übersetzung, eine historische und theologische Kontextualisierung sowie eine Echtheitsanalyse bieten wird, ist in Vorbereitung und soll gegen Ende dieses Jahres vorliegen.
Kontakt: Dr. Clemens Weidmann (clemens.weidmann@plus.ac.at)

